Kanutour

Am 01. Mai 2016 trafen sich alle Pflegefamilien von Pfeil e.V. zur alljährlichen Kanutour – auf der Neetze von Fahrenholz nach Oldershausen. Es war ein schöner, sonniger und warmer Tag an dem wir alle viel Spaß hatten. Niemand ist mit seinem Boot umgekippt und alle schipperten trocken an Land.

Für das Wohlbefinden wurde auch gesorgt, mit einem bunten und reichhaltigem Buffet. Wir hatten alle eine schöne gemeinsame Zeit zum Austausch, Spielen und vieles mehr.

Danke an alle die dazu beigetragen haben. Besonderen Dank geht an die Firma Rauteg Sports (http://www.rauteg-sports.de/), Frau Ute Eggers die uns die Boote zur Verfügung stellte.

Wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen mit allen Familien

Nachlese FASD-Seminar

Rund 80 Teilnehmer konnte die Pflegeelterninitiative im Landkreis Harburg PFEIL e.V. am Samstag zur Fachtagung zum fetalen Alkoholsyndrom im Aldag-Saal des Elias-Schulzweiges in Wistedt begrüßen. Vorsitzender Götz Gerke wies in der Einführung darauf hin, dass sich hinter dem Begriff des Fetalen Alkohol Syndroms FASD die Vergiftung von Kleistkindern durch den Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft verbirgt. Es handelt sich dabei durch die häufigste nicht genetisch bedingte Behinderung, die zu 100% vermeidbar ist. 

Als Referenten hatte der Pflegeelternverein Prof Dr. Ludwig Spohr in den Landkreis holen können, der sich seit der Identifizierung des Syndroms in den siebziger Jahren mit FASD befasst und als heute als unbestrittene Instanz zu diesem Thema in der Bundesrepublik gilt. Er kämpft seit Jahren für eine bessere Wahrnehmung dieser Alkoholschädigung im Mutterleib und war zu Beginn seines Vortrages besonders erfreut darüber, dass neben den Pflege- und Adoptiveltern auch Lehrer, Erzieher, ein Kinderarzt und Mitarbeiter des Jugendamtes Lüneburg im Auditorium vertreten waren.

Am Vormittag schilderte Prof Spohr sehr eindrucksvoll, wie Alkoholkonsum in der Schwangerschaft des Fötus schädigt. Dabei kommt es nicht einmal unbedingt darauf an, kontinuierlich größere Mengen zu konsumieren, bereits bei einem Glas Wein täglich lassen sich bereits Schäden nachweisen. Problematischer ist aber starker Alkoholkonsum, auch wenn er nur für kurze Zeit auftritt, wenn sich die werdende Mutter z.B. am Wochenende stark betrinkt.

Neben häufig auftretenden äußeren Merkmalen wie Kleinwüchsigkeit, geringem Kopfumfang und typischen Merkmalen im Gesicht sind es aber vor allem die Verhaltensauffälligkeiten durch die Schädigung des zentralen Nervensystems, die den betroffenen meist Pflegeeltern zu schaffen machen. „FASD ist nicht heilbar, Ihre Aufgabe ist es damit zu leben, es auch zu ertragen“ brachte Prof Spohr das auf den Punkt, was viele der Anwesenden aus der täglichen Erfahrung zu berichten wussten.
Am Nachmittag beschrieb Prof Spohr anschaulich die Diagnose mittels des „4-Digit-Codes“, der es ermöglicht, FASD heute zweifelsfrei zu diagnostizieren. Mit Unterstützung durch die Kinderpsychiaterin Heike Wolter wurden anschließend über begleitende Therapien und auch medikamentöse Unterstützung diskutiert.

 In den Pausen entwickelte sich eine rege Diskussion und ein intensiver Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmern. Im Schlusswort bedankte sich Götz Gerke im Namen des Vereins bei allen ehrenamtlichen Beteiligten und brachte sein Unverständnis darüber zum Ausdruck, dass ausgerechnet das Jugendamt Winsen es abgelehnt hat, die Pflege- und Adoptiveltern im Landkreis über dies wertvolle Tagung zu informieren, während die Einladung in den Nachbarkreisen Rotenburg, Stade und Lüneburg mit Dank weitergeleitet worden war.

Binnenhaftpflichtversicherung

Damit Sie zukünftig einen ausreichenden Versicherungsschutz erhalten, sollten Sie eine Binnenhaftpflichtversicherung abschließen. Diese spezielle Versicherung ist kein Ersatz für eine Privathaftpflichtversicherung sondern eine Zusatzversicherung. Versicherungsunternehmen bieten zum Teil eine Haftpflichtversicherung für Vollzeitpflegeeltern und Pflegekinder (Binnenhaftpflicht) an.

Bitte wenden Sie sich an den Versicherungsmakler Ihres Vertrauens oder schauen Sie einmal hier : www.pflegeelternrente.de

Der Landkreis Harburg erstattet Ihnen auf Antrag die Versicherungsbeiträge. Dazu ist es notwendig, dass Sie die Versicherungspolice für die Binnenhaftpflicht und die erste Beitragsrechnung bei der Wirtschaftlichen Jugendhilfe einreichen. Bitte fragen Sie hier ggf. noch einmal nach.

Stellungnahme „PFEIL-Harburg e.V.“ zum Fall „Dennis“

Recht ist nicht automatisch richtig!

Nach dem Urteil des Oberlandesgerichtes Celle im Fall „Dennis“ im Juni scheint Ruhe eingekehrt zu sein, eine trügerische Ruhe: PFEIL-Harburg kann und wird sich nicht mit der Situation zufrieden geben. Wir haben zunächst der Familie „Schneider“, „Dennis“ Pflegeeltern, etwas Zeit lassen wollen, aber viele unserer Mitglieder sind empört und erschüttert über die jetzt entstandene Situation und möchten diese Stimmung zum Ausdruck bringen.

Das Pflegekind Dennis, das seit dem fünften Lebensmonat bei seinen Pflegeeltern aufgewachsen war, war nach jahrelangem Streit um die Umgangsrechte der Herkunftsfamilie im Alter von sechs Jahren auf Antrag des Jugendamtes in Winsen in ein Heim gekommen. Das Urteil des Oberlandesgerichtes manifestiert nun diesen dramatischen Zustand der inneren Zerrissenheit des Kindes zwischen Heim, Herkunfts- und Pflegefamilie, indem es den Verbleib im Heim als beste Lösung für Dennis anordnet. Dabei wurde „Dennis“ in den letzten Monaten zweimal vor Gericht befragt, wo er denn leben möchte und hat beide Male klar geäußert, dass er zurück zu seinen Pflegeeltern möchte. Eigentlich nicht verwunderlich, denn die sind die Eltern, die sich die letzten sechs Jahre liebevoll und fürsorglich um ihn gekümmert hatten. Es klingt fast zynisch, dass das Gericht sein Urteil unter anderem damit begründet, dass „Dennis“ den Wunsch zu den „Schneiders“ zurückzukehren nicht mit „ausreichendem Nachdruck“ geäußert habe! Es ist schon bemerkenswert genug, dass das sechsjährige Kind in zwei Anhörungen seinen Wunsch in Anbetracht der Situation vor Gericht so klar formuliert hat. Hätte es dann noch auf die Knie fallen müssen, um den nötigen Nachdruck zu zeigen? Offensichtlich hat das Gericht sich hier nicht wirklich entscheiden wollen und auf ein vermeintlich salomonisches Urteil gesetzt: Das Kind bleibt im Heim und hat Kontakte zur Herkunftsfamilie und zu den Pflegeeltern. Statt bei „seinen primären Bindungspersonen, die ihn lieben und die er liebt aufzuwachsen“ hält es das Gericht für wichtiger, dass es auf drei „Ressourcen“ zurückgreifen kann, Pflegefamilie, Herkunftsfamilie und Heimeinrichtung. Bei der Formulierung läuft es nicht nur Eltern und Pflegeeltern, sondern auch allen, die sich mit Bindungstheorien beschäftigen, eiskalt den Rücken runter. So müssten wir auch froh über jede Scheidung sein, da es für die Kinder ja durch neue Beziehungen der Eltern weitere „Ressourcen“ gibt. Wie fahrlässig wird hier für ein Pflegekind, das bereits einen Bindungsabbruch zu verarbeiten hatte, eine dauerhafte Unsicherheit geschaffen. Wie soll „Dennis“ je wissen, wo er hingehört?

Auch fällt es schwer das Urteil zu begreifen, wenn die Richter und das angefertigte Gutachten den Pflegeeltern eine hervorragende Erziehungsarbeit bescheinigen und gleichzeitig die damals vom Amtsgericht Winsen angeordneten unbegleiteten Umgangskontakte als falsch bezeichnen. Die Verweigerung eben dieser Kontakte durch die Pflegeeltern war ja der Grund für die Herausnahme des Kindes. Das Gericht bescheinigt im Nachhinein den „Schneiders“, sich zum Wohl des Kindes richtig verhalten zu haben, und doch haben Sie Ihr Kind und „Dennis“ seine Eltern verloren.

Der Grund, weshalb dieser Fall Pflegeeltern besonders betroffen macht, ist der, das er verdeutlicht, wie macht- und rechtlos Pflegeeltern in solch einer Situation sind und wie leicht jede Pflegefamilie ähnlich betroffen sein kann. Der Ursprung des Konfliktes mit dem heutigen tragischen Ausgang liegt in der jahrelangen mangelhaften Begleitung sowohl der Pflegeeltern als auch der Ursprungsfamilie durch das Jugendamt. Es hat hier in seiner originären Funktion versagt, eben diese Konflikte zu moderieren und vor allem der Herkunftsfamilie eine langfristige realistische Perspektive mit dem Kind aufzuzeigen. Dazu fehlt es immer noch an Personal. Der Verein PFEIL-Harburg hat dieses Mitgliedern aller Fraktionen des Jugendhilfeausschusses im April bei einer Info-Veranstaltung aufgezeigt. Derzeit fehlen 30% Personal im Pflegekinderwesen gemessen an dem vom Ausschuss 2011 verabschiedeten Konzept zur Vollzeitpflege.

PFEIL-Harburg e.V. wird sich nicht mit der Situation im Fall „Dennis“ abfinden, auch wenn Sie derzeit festgefahren scheint. Wir werden uns weiter für das Kind und seine Pflegeeltern einsetzten, weil wir das als unsere Verpflichtung sehen. Bestärken tut uns darin die ungebrochene Unterstützung vieler Pflegeeltern aber auch vieler entsetzter und betroffener Bürger, die uns auffordern nicht locker zu lassen, denn Recht ist nicht automatisch richtig!