Nachlese FASD-Seminar vom 08.03.2014

Rund 80 Teilnehmer konnte die Pflegeelterninitiative im Landkreis Harburg PFEIL e.V. am Samstag zur Fachtagung zum fetalen Alkoholsyndrom im Aldag-Saal des Elias-Schulzweiges in Wistedt begrüßen. Vorsitzender Götz Gerke wies in der Einführung darauf hin, dass sich hinter dem Begriff des Fetalen Alkohol Syndroms FASD die Vergiftung von Kleistkindern durch den Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft verbirgt. Es handelt sich dabei durch die häufigste nicht genetisch bedingte Behinderung, die zu 100% vermeidbar ist. 

Als Referenten hatte der Pflegeelternverein Prof Dr. Ludwig Spohr in den Landkreis holen können, der sich seit der Identifizierung des Syndroms in den siebziger Jahren mit FASD befasst und als heute als unbestrittene Instanz zu diesem Thema in der Bundesrepublik gilt. Er kämpft seit Jahren für eine bessere Wahrnehmung dieser Alkoholschädigung im Mutterleib und war zu Beginn seines Vortrages besonders erfreut darüber, dass neben den Pflege- und Adoptiveltern auch Lehrer, Erzieher, ein Kinderarzt und Mitarbeiter des Jugendamtes Lüneburg im Auditorium vertreten waren.

Am Vormittag schilderte Prof Spohr sehr eindrucksvoll, wie Alkoholkonsum in der Schwangerschaft des Fötus schädigt. Dabei kommt es nicht einmal unbedingt darauf an, kontinuierlich größere Mengen zu konsumieren, bereits bei einem Glas Wein täglich lassen sich bereits Schäden nachweisen. Problematischer ist aber starker Alkoholkonsum, auch wenn er nur für kurze Zeit auftritt, wenn sich die werdende Mutter z.B. am Wochenende stark betrinkt.

Neben häufig auftretenden äußeren Merkmalen wie Kleinwüchsigkeit, geringem Kopfumfang und typischen Merkmalen im Gesicht sind es aber vor allem die Verhaltensauffälligkeiten durch die Schädigung des zentralen Nervensystems, die den betroffenen meist Pflegeeltern zu schaffen machen. „FASD ist nicht heilbar, Ihre Aufgabe ist es damit zu leben, es auch zu ertragen“ brachte Prof Spohr das auf den Punkt, was viele der Anwesenden aus der täglichen Erfahrung zu berichten wussten.

 
Am Nachmittag beschrieb Prof Spohr anschaulich die Diagnose mittels des „4-Digit-Codes“, der es ermöglicht, FASD heute zweifelsfrei zu diagnostizieren. Mit Unterstützung durch die Kinderpsychiaterin Heike Wolter wurden anschließend über begleitende Therapien und auch medikamentöse Unterstützung diskutiert.

 In den Pausen entwickelte sich eine rege Diskussion und ein intensiver Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmern. Im Schlusswort bedankte sich Götz Gerke im Namen des Vereins bei allen ehrenamtlichen Beteiligten und brachte sein Unverständnis darüber zum Ausdruck, dass ausgerechnet das Jugendamt Winsen es abgelehnt hat, die Pflege- und Adoptiveltern im Landkreis über dies wertvolle Tagung zu informieren, während die Einladung in den Nachbarkreisen Rotenburg, Stade und Lüneburg mit Dank weitergeleitet worden war.